Jahrgang 10: Unser Projekttag zur Elektromobilität auf dem Wasser

Am Projekttag kamen wir um 11:00 Uhr an einem E-Schiff von der AG Reederei Norden-Frisia auf Norderney an. Zu Beginn bekamen wir eine ausführliche Führung durch das Schiff. Dabei wurden uns die verschiedenen Räume und Bereiche gezeigt, unter anderem der Batterieraum, der Motorraum und die Brücke. Besonders interessant war die Brücke, also der Bereich, von dem aus der Kapitän das Schiff steuert. Dort durften wir Fragen stellen, teilweise sogar selbst Durchsagen machen und uns genau erklären lassen, wie das Schiff bedient wird. Uns wurde unter anderem gezeigt, wie man das Schiff startet und stoppt, wie es geladen wird und worauf beim Laden geachtet werden muss.

Dabei erfuhren wir auch einiges über die Reichweite und das Aufladen des E-Cats. Das Schiff muss nach einer Fahrt von Norderney nach Norddeich wieder aufgeladen werden. Eine Aufladung ist nur in Norddeich möglich. Außerdem wurde uns erklärt, dass die Schiffe durch den Elektroantrieb viele Vorteile gegenüber herkömmlichen Schiffen haben. Sie sind schneller und leiser und verursachen während des Betriebs kein CO₂. Auch das Fahrverhalten eines elektrisch angetriebenen Schiffes unterscheidet sich von dem eines herkömmlichen Schiffes.

In den Batterieräumen (einer auf Steuerboard, einer auf Backboard) sind jeweils 90 Batterien (ins. 180) vorhanden. Sie werden nie voll aufgeladen und nie voll aufgebraucht, sodass immer Reserven vorhanden sind. Die Akkus und Räume sind extra isoliert und klimatisiert, sodass keine Brandgefahr besteht.

Anschließend beschäftigten wir uns damit, woher der Strom für die E-Schiffe überhaupt kommt. Ein Teil des benötigten Stroms stammt aus den Photovoltaikanlagen auf dem Parkplatz in Norddeich. Der restliche Strom kommt aus dem öffentlichen Stromnetz. Dabei wurde uns erklärt, dass die Leistung einer Solaranlage stark vom Wetter abhängt. Bei bewölktem Himmel nimmt die Stromerzeugung ab. Auch bei sehr heißem Wetter kann die Leistung sinken, da die Solarpaneele die Wärme nicht mehr so gut abführen können.

Besonders beeindruckend war die Größe der Solaranlage. Je nach Tageszeit und Jahreszeit kann unterschiedlich viel Strom erzeugt werden. Im Durchschnitt können auf dem Parkplatz ungefähr 6.000 kWh Strom pro Tag erzeugt werden. Der erzeugte Solarstrom wird möglichst direkt genutzt, zum Beispiel um die Ladesäulen für die Elektroautos auf dem Parkplatz zu versorgen. Wenn der E-Cat geladen wird, kann der Strom ebenfalls für das Schiff verwendet werden. Zusätzlich gibt es Batteriespeicher, in denen überschüssiger Strom gespeichert werden kann. Wenn der Strom nicht selbst benötigt wird, wird der Rest in das öffentliche Netz eingespeist und am Strommarkt verkauft.

Interessant fanden wir auch, dass für die Batteriespeicher teilweise sogenannte Second-Life- Batterien verwendet werden. Dabei handelt es sich beispielsweise um ältere Autobatterien, die für den Einsatz in einem Neuwagen nicht mehr geeignet sind, aber noch ausreichend Leistung für andere Zwecke besitzen. Durch ihre weitere Verwendung können sie sinnvoll genutzt werden, anstatt direkt entsorgt zu werden.

Während des Projekttages erfuhren wir außerdem, dass ein elektrisches Schiff für die Crew einige Vorteile im Arbeitsalltag bietet. Die Schiffe sind wartungsärmer, und die Crew muss beispielsweise nicht bunkern, also keinen herkömmlichen Treibstoff nachfüllen. Außerdem ist geplant, weitere Schiffe auf Elektromobilität umzustellen. So soll beispielsweise die „Frisia 1“ zu einem Hybridschiff umgebaut werden.

Zum Abschluss sprachen wir noch über die Nachhaltigkeit der verwendeten Technik. Die Solarpaneele können ungefähr 20 Jahre oder länger genutzt werden. Die Batteriesysteme haben dagegen eine Lebensdauer von etwa 10 bis 15 Jahren. Insgesamt konnten wir an diesem Projekttag einen guten Einblick bekommen, wie Elektromobilität auf dem Wasser funktioniert und wie erneuerbare Energien, Batteriespeicher und elektrische Schiffe miteinander verbunden werden.